(c) Jules Spinatsch, Surveillance Panorama, Project No. 1, Temporary Discomfort, Chapter IV, Pulver gut, World Economic Forum WEF, Congress-Center North and Middle Entry, Kurpark Davos-CH, 28. Januar 2003, Panorama B281818 : composed of 2176 still shots recorded with interactive network camera from 06h35 - 09h30 Inkjet print, 110x250cm, framed Bündner, Kunstmuseum Chur.
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(c) Jules Spinatsch, Surveillance Panorama, Project No. 1, Temporary Discomfort, Chapter IV, Pulver gut, World Economic Forum WEF, Congress-Center North and Middle Entry, Kurpark Davos-CH, 28. Januar 2003, Panorama B281818 : composed of 2176 still shots recorded with interactive network camera from 06h35 - 09h30 Inkjet print, 110x250cm, framed Bündner, Kunstmuseum Chur.

Temporary Discomfort, Chapter IV – Pulver Gut, 2001–2003; Heisenberg’s Offside, 2005–2008; Fabre n’est pas venu, 2006

headphoneJules Spinatsch

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Das Projekt «Surveillance Panorama» zeigt Panoramabilder, die aus zahllosen Bildern zusammengesetzt sind, die jeweils mit einer computerprogrammierten Webcam aufgenommen und anschliessend in chronologischer Abfolge geordnet wurden. In «Temporary Discomfort» und «Fabre n’est pas venu» thematisiert Jules Spinatsch die Politik: das World Economic Forum in Davos, die G8-Gipfel und eine Sitzung des Stadtrates von Toulouse. Immer nehmen dabei die Kameras Bilder in regelmässigen Abständen von drei bis vier Sekunden auf. Die einzigen Konstanten, die der Fotograf dabei vorgibt, sind die Aufnahmedauer und der Ort, wo der Fotoapparat aufgestellt wird. In den so realisierten Raum-Zeit-Puzzles reicht die Informationsdichte nicht aus, um den ganzen Anlass nachvollziehen zu können. An die Stelle des herausragenden Moments tritt eine globale Bildfolge, die sich aus zufälligen Momenten zusammensetzt. Der Fotograf distanziert sich vom Spektakulären und vom kontrollierten Bild, das die Betrachter passiv von den Medien übermittelt bekommen. Sämtliche Elemente der Aktion werden genau gleich behandelt, auf dieselbe Stufe gestellt – das bringt den Betrachter dazu, das Bild wirklich und näher anzuschauen und es zu deuten. In seinem zweiten Panorama («Heisenberg’s Offside») verbindet der Künstler seine Art und Weise, Tatsachen und Informationen aufzubereiten, mit der vom Physiker Heisenberg entdeckten Unschärferelation, die besagt, dass bei genauer örtliche Bestimmung eines Teilchens, seine Geschwindigkeit nur annäherungsweise gemessen werden kann. In den Arbeiten von Jules Spinatsch wird der Raum in seiner Ganzheit reproduziert, während die Zeit fragmentiert dargestellt wird. Im Gegensatz zu den Bildern in den Medien wird die zeitliche Aufsplitterung hier eben nicht aus dem letztlich veröffentlichten Bild wegradiert; das Aufzeigen der Aufsplitterung wirft damit ein Licht auf die spekulative Dimension, die der Aufzeichnung eines Anlasses innewohnt. www.jules-spinatsch.ch

Jules Spinatsch(1964, Davos) lebt und arbeitet in Zürich und Wien. 1993 brach er sein Soziologiestudium ab und absolvierte stattdessen eine Ausbildung am International Center of Photography in New York. Dreimal ausgezeichnet mit dem Preis des Kantons Zürich, Swiss Art Award und BMW-Preis – Paris Photo 2004. Seine Werke befinden u.a. in den Sammlungen von MoMA New York, San Francsico MoMA, Collection National des Arts Plastiques CNAP Paris, Fotomuseum und Fotostiftung Winterthur, Kunsthaus Zurich, Kunstmuseum Graubünden, Kunstmuseum Grenchen. Bis heute sind 6 Monografien erschienen, "Temporary Discomfort" wurde mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnet und ist in Martin Parr's Sammlung der 30 wichtigtsten Fotografie Bücher der letzten 10 Jahre vertreten ist. In Venedig ist zur Zeit ist neue Arbeit «Exit Strategies» zu sehen.

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