(c) Hans-Christian Schink, 1h 2/04/2010, 7:22 pm – 8:22 pm, S 54°35.873‘  W 067°22.541‘, Courtesy Galerie Kicken Berlin, Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt, Galerie De Zaal, Delft.
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(c) Hans-Christian Schink, 1h 2/04/2010, 7:22 pm – 8:22 pm, S 54°35.873‘ W 067°22.541‘, Courtesy Galerie Kicken Berlin, Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt, Galerie De Zaal, Delft.
(c) Hans-Christian Schink, 1h 2/21/2010, 7:00 pm – 8:00 pm, S 38°49.042‘  E 174°34.976‘,  Courtesy Galerie Kicken Berlin, Galerie Rothamel Erfurt/Frankfurt, Galerie De Zaal, Delft.

1h, 2003–2010

In einer Stunde legt die Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne 107’218 km zurück. In einer Stunde dreht sich die Erde, von einem Punkt auf der Äquatorlinie aus betrachtet, 1’670 km um ihre Achse. Eine Stunde lang belichtet Hans-Christian Schink sein Fotomaterial und macht so die «Schnittlinie» dieser Wege sichtbar. Er richtet seine Kamera auf die Sonne und bedient sich des Effektes der Solarisation, bei dem sich der Schwärzungsprozess des Negativs wieder umkehrt. Bei sehr starker Überbelichtung wird die Sonne auf dem Fotoabzug dann nicht weiss, sondern schwarz abgebildet. Zwischen 2003 und 2010 fotografiert Hans-Christian Schink an zahlreichen über die Erde verteilten, hinsichtlich des Sonnenlaufs sehr unterschiedlichen Orten; zum Beispiel nahe der Pole, der Wendekreise und des Äquators. Ähnlich dem Vorgehen bei einer wissenschaftlichen Arbeit ist er auf der Suche nach einer Abbildung der Wirklichkeit, die nur durch die analoge Kameratechnik möglich ist und die das menschliche Auge ohne deren Hilfe nicht wahrnehmen kann. Mit der «Sonnenlinie» stellt er das Licht und den Verlauf der Zeit dar. Die weiten Blicke in Landschaften und urbane Räume muten surrealistisch an. Die im Himmel schwebende schwarze «Lichtlinie» dominiert den Raum. Sie begrenzt und erweitert ihn zugleich. Ihre Neigung ändert sich je nach Jahreszeit und Breitengrad des Kamera-Standortes. Die Orte werden zur Kulisse. Schink definiert sie über die präzise «Bezeichnung» der Sonnenlinie; mit geografischen Koordinaten und Angabe der Belichtungsstunde. Seine Bilder dokumentieren nicht nur ein alltägliches Phänomen, sie sind auch eine Inszenierung der Sonne und eine besondere Erinnerung an ihre permanente Existenz. Sie mögen an die Reisefotografen des 19. Jahrhunderts erinnern, die Bilder mit nach Hause brachten, die bis dahin unbekannt waren. (Mariana Forberg) www.hc-schink.de

Hans-Christian Schink(1961, Erfurt, Deutschland) 1986–1991 Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, bis1993 dort Meisterschüler. In seinen Werken beschäftigt er sich vor allem mit den Übergängen von Natur zu Kultur. ZahlreicheAusstellungen im In- und Ausland. Mehrere Auszeichnungen, darunter der ING Real Photography Award für «1h».

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