(c) David Willen, Das Ende der Sorglosigkeit - Ein Jahresbericht, 2008-2009, Courtesy Galerie Bob Gysin, Zürich.
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(c) David Willen, Das Ende der Sorglosigkeit - Ein Jahresbericht, 2008-2009, Courtesy Galerie Bob Gysin, Zürich.

Das Ende der Sorglosigkeit – Ein Jahresbericht, 2008–2009

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Die Arbeit von David Willen ist geprägt durch einen seriellen und repetitiven Prozess. Während der Dauer eines Jahres wird jeden Morgen – mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage – systematisch die erste ausgetrunkene Tasse Kaffee aufgenommen. Installation und Beleuchtung bleiben immer gleich, die Aufnahme wird mit einer Grossformatkamera (4x5 inches) und auf Polaroidfilm gemacht. Ist das Foto einmal entwickelt, wird es über dem Haupttitel der Neuen Zürcher Zeitung des jeweiligen Tages plaziert. Die 303 Bilder der Serie, die so entstanden sind, werden sorgfältig chronologisch archiviert. Die Arbeit weist gewisse Parallelen auf zum konzeptuellen Werk von On Kawara und seiner Bilderserie «Today Series», die am 4. Januar 1966 gestartet wurde (monochrome Bilder, auf denen einzig das Datum zu sehen ist, an dem das Bild entstanden ist). David Willen reiht sein Werk in eine künstlerische Tradition ein, die weniger in der Fotografie als vielmehr in der Bildenden Kunst bekannt ist. Während allerdings die Arbeit seines japanischen Kollegen stärker auf sich selbst bezogen ist, verfolgt die Serie «Das Ende der Sorglosigkeit» einen weniger persönlichen und universelleren Ansatz. Die penibel genau in Szene gesetzten Bilder des Fotografen sind das Resultat von Überlegungen zu den verschiedenen Zeitschichten und – spannen, die in der Serie dargestellt werden. Die Annäherung von Text und Bild materialisiert die abstrakten zeitlichen Vorgaben und schafft gleichzeitig neue. Während sich die Titel in der Neuen Zürcher Zeitung auf die in den Medien vermittelte Zeitgeschichte 2008–2009 beziehen und Ereignisse wie die Wirtschaftskrise erwähnen, zeigt das Polaroidbild den einzigen, immer gleichen Moment. Die Spuren des Kaffees auf den Tassen erinnern natürlich auch und unumgänglich an die uralte Tradition des Kaffeesatzlesens. Ist letztlich nicht auch die ganze Serie eine Frage des Satzlesens? www.davidwillen.com

David Willen(1968, Bern) lebt und arbeitet in Zürich. Seit 2004 wird er von der Galerie Bob Gysin in Zürich vertreten. Regelmässige Beiträgein Zeitschriften wie Wallpaper, in dem 2010 eine Serie seiner Architekturaufnahmen gezeigt wurde. Dieses Jahr wurdeDavid Willen für den Swiss Photo Award ewz nominiert.

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